Bindungsangst: Mama und Papa sind schuld!

Jaja, typisch… mal wieder sind die Eltern Schuld! Doch sehr oft ist es leider tatsächlich so. In der Kindheit wird die Grundlage für vieles gelegt: auch für spätere Beziehungen.

Mutter schenkt Urvertrauen
Die erste Beziehung eines Menschen ist naturgegeben die zur Mutter. Sie schenkt zumeist die erste liebevolle Berührung, gibt Schutz, tröstet und legt die Basis für einen selbstbewussten Charakter. Das Kind lernt zu vertrauen: Nicht nur der Mutter. Erst durch das Verhältnis zu ihr entwickelt sich ein Urvertrauen. Ohne diese Urvertrauen sind wir nicht in der Lage, echte emotionale Nähe zu anderen Menschen aufzubauen.
Bekommt das Kind zu wenig Zuwendung, kann es auch später keine Zuwendung erfahren und auch nur schwerlich an andere geben.
Mütter, die keine emphatischen, echten Gefühle an ihr Baby geben können, schaffen dies auch in späteren Kinderjahren in der Regel nicht. Das Entwicklungsdefizit setzt sich diesbezüglich also fort.
Gründe für das Verhalten dieser Mütter gibt es viele: eigene unemotionale Kindheit, stressiger Beruf, Krankheit, Probleme in der Partnerschaft, die sich dann auch auf die Beziehung zum Kind auswirken.
Selbstverständlich ist der Vater genauso wichtig. Ein aufgeschlossener, selbsicherer aber feinfühliger Vater, der ansprechbar, also oft anwesend ist, bietet eine wichtige Basis für die Entwicklung des kindlichen Urvertrauens und dessen Bindungsfähigkeit.

Schwierige Bindungen
Können die Eltern dies nicht bieten, ergibt sich nach Bartholomew eine von drei problematische Bindungen:

  • die anklammernde Bindung
  • die ängstlich-vermeidende Bindung
  • die gleichgültig-vermeidende Bindung


Nähe, Geborgenheit, Vertrauen in der sicheren Bindung
Nur im Zustand der sicheren Bindung, ist alles in bester Ordnung. Nähe, Geborgenheit, Vertrauen sind gegeben. Selbst wenn eine Beziehung schief läuft, ist das für sicher-gebundene Menschen kein Weltuntergang. Sie rappeln sich schnell wieder auf und können sich sofort oder zumindest recht bald wieder auf andere Menschen und Beziehungen einlassen.

Unsicheren Bindung
Bei der unsicheren Bindung hat der Betroffene das Gefühl, sich zu stark anpassen zu müssen. Die Nähe ist zu nah, die Verantwortung zu groß. Nähe und Distanz finden kein rechtes Maß. Die Beziehung endet häufig in der Flucht oder ist sogar schon zu Anfang davon geprägt.

Anklammernde Bindung
Die anklammernde Bindung ist davon geprägt, dass das Kind, der spätere Erwachsene eine Abhängigkeit entwickelt. Eine Abhängigkeit von der Mutter oder dem Vater. Sie wollen nicht verlassen werden und klammern daher extrem.

Ängstlich-vermeidende Bindung
Bei der ängstlich-vermeidende Bindung leidet das Kind an dem fehlenden Einfühlungsvermögen der Eltern oder eines Elternteils. Das Unvermögen, Liebe und Vertrauen zu geben, wirkt sich auf den späteren Erwachsenen negativ aus. Das Selbstwertgefühl leidet, das Kind fühlt sich unsicher. Beziehungen im Allgemeinen werden als problematisch und unsicher angesehen. Manchmal entwickelt sich daraus eine regelrechte soziale Phobie.

Gleichgültig-vermeidende Bindung
Bei der gleichgültig-vermeidende Bindung wird vor allem eine große Gleichgültigkeit wahrgenommen. Das Kind fühlt sich überflüssig und möchte Aufmerksamkeit. Es lernt, sich nicht auf die Mutter verlassen zu können. Das Kind entwickelt daher recht schnell eine frühe Selbstständigkeit. Diese Autonomie wird auf spätere Beziehungen übertragen. “Ich bin mir selbst genug, denn ich komme alleine zurecht, ich bin dir eh nicht so wichtig!” Diese Aussage formuliert die innere Haltung recht gut.
Die eigene Unabhängigkeit steht an erster Stelle. In Beziehungen wird nur wenig “investiert”. Diese Menschen, die gleichgültig-vermeidend geprägt sind, leben jedoch in der Regel ein recht stabiles Leben. Auch in ihrer Gefühlswelt gibt es keine größeren Ausschläge nach Unten. Sie haben sich gut eingerichtet mit ihrer Autonomie und können damit durchaus gut existieren: zumeist aber auch allein!

Narzissten, die einsamen Wölfe
Ein extremer Fall sind die Narzissten, die einsamen Wölfe. Nur sie allein sind wirklich wichtig, in ihren Augen. Sie streben nach Macht und wollen dominieren, natürlich auch in der Beziehung. Sie suchen ihren Vorteil, und gehen dafür über Leichen. Sie manipulieren und setzen unter Druck. Ihre Aggression leben sie nicht nur im Beruf aus, wo sie meist erfolgreich sind. Sie leben gerne ein Doppelleben und haben nicht selten mehr als eine Geliebte, einen Geliebten. Verschlossenheit ist ihr zweiter Vorname, denn Geheimnisse haben sie natürlich auch vor dem Partner.

Beziehungsphobiker fehlt Mitgefühl
Beziehungsphobiker stehen selbst nicht im Kontakt zu ihrer eigenen Gefühlswelt. Ihnen fehlt das Gefühl für sich und für andere Menschen. Sie verstehen nicht, wie sich der Partner fühlt. Vielleicht können sie es rational nachvollziehen, wenn es ihnen genau erklärt wird. Es zu spüren, durch Mitgefühl, ist ihnen schlicht unmöglich. Daher haben sie diesbezüglich auch kein schlechtes Gewissen. Wahrscheinlich zu recht: denn sie können ja nichts für ihre emotionale Veranlagung.
Oft können sie keine wirkliche Liebe empfinden. Liebe ist für sie ein abstraktes Wort. Mehr als tiefe Freundschaft kann der Partner von ihm nicht erwarten.

Andere Ursachen für Bindungsphobie
Es ist nicht immer das Verhalten der Eltern zum Kind, was spätere Probleme aufwirft. Es kann auch eine schädliche Beziehung der Eltern untereinander sein. Oder die Trennung der Eltern, die das Urvertrauen des Kindes stört oder zerstört. Oder man denke an schlechte Vorbilder. Der Vater, der als wenig vertrauenswürdiger Hallodri eher negativ auf das andere Geschlecht herabsieht, taugt wenig als Vorbild. Aber auch negativ verlaufende frühe Liebesbeziehungen können den jungen Erwachsenen oder Jugendlichen so prägen, das spätere Beziehungen schwierig werden. Enttäuschungen und Verletzungen lassen sich nicht immer vergessen. Massive Vertrauensbrüche setzen sich im Gefühlsleben fest.

Moderne Gesellschaft führt zu Bindungsangst
Kann es vielleicht auch unsere moderne Gesellschaft sein, die Beziehungsphobiker produziert? Schneller Sex über das Internet, Doppelbelastung für Frauen, stressiges Arbeitsleben, lange Anfahrtwege, Fernbeziehungen, hohe Scheidungsrate, viele Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten.
Das Ergebnis daraus: Beständigkeit wird abgebaut, Autonomie wird zum Statussymbol!

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