Die große Verführung

Ständig sind wir der Verführung ausgesetzt. Werbung wohin wir sehen und hören. Und wie wir wissen: die Versuchung kannte bereits Adam und Eva. Selbst die Tierwelt lässt sich nur zu gerne verlocken. Vom anderen Geschlecht und anderen Genüssen. Es soll hier nicht darum gehen, die Verführungskunst zu verteufeln. Mit diesem Text soll lediglich ein grober Querschnitt zu diesem Thema formuliert werden.

Verführung ist eine Kunst
Es gibt Künstler der Verführung, die genau wissen, welche Knöpfe zu drücken sind. Mit zielsicherer Direktheit und großem Selbstbewusstsein, gehen sie ihre Opfer an. Sie manipulieren, oder besser gesagt, hypnotisieren sie, um ihr Ziel zu erreichen. Den Abschluss eines Geschäfts oder das Bett der verheißungsvollen Verlockung.

Wie funktioniert die Verführungsmasche?
Sie bauen innerhalb von Momenten eine Beziehung zu ihrem Gegenüber auf. Sie erwecken ihre Aufmerksamkeit und gelangen dann in ihre unmittelbare Nähe. Ohne diese Nähe, die Annäherung, könnten sie nicht Einfluss nehmen. Sie zeigen Emphatie, hören zu, sind charmant. Sie werden in kürzester Zeit zu einem guten Freund. Und einem Freund kann man natürlich nur wenig abschlagen.
Sie arbeiten mit Schlüsselreizen. Zum Beispiel sehen sie sehr gut aus oder präsentieren eine gehobene Stellung, die anziehend wirkt. Durch solche Reize wird das Bewusstsein ausgehebelt. Unterbewusst fallen alle kontrollierenden Instanzen.

Sie sind uns gleich, das mögen wir!
Auch passen sie sich an. Durch ihre Kleidung und ihr Auftreten, erscheinen sie uns ähnlich. Das mag der Mensch. Er strebt nach Konformität und möchte Freunde nicht enttäuschen, indem er sich unkonform verhält.
Und wir fallen auf den Halo-Effekt hinein. Positive Züge eines Menschen, zum Beispiel gutes Aussehen, bewirkt eine positive Aura, die Wissen und Ehrlichkeit ausstrahlt. Manche treiben dies auf die Spitze, indem sie sich operieren lassen und gewinnende Kleidung zum passenden Anlass wählen. Nichts in ihrem Auftritt ist Zufall. Vom Gang bis zur Begrüßung ist jede Bewegung tausendfach erprobt. Sie scannen ihr Opfer von weitem und wissen sofort, wie die Ansprache sein muss. Sie wissen, wie sie gucken müssen und wie oft der direkte Blickkontakt erfolgen sollte. Dabei verströmen sie eine natürliche Autorität, die noch mehr Vertrauen einflößt und keine Widerworte zulässt.

Emotionen sind Waffen
Sie arbeiten mit unseren Gefühlen. Sie wissen, wie sie unsere Emotionen kitzeln können und auch das mögen wir. Sie lösen in uns positive Gefühle aus und diese Emphatie-Waffe ist sehr mächtig.

Sie schaffen es, dass wir ihnen vertrauen. Sie schauen uns tief in die Augen, berühren uns kaum merklich und lächeln uns dabei liebevoll an. Wir müssen sie einfach mögen, da sie anscheinenden uns mögen.

Sie wissen nicht nur um ihr Talent. In der Regel lieben sie das Spiel der Manipulation. Sie wollen es beständig ausbauen und sich verbessern. Kommunikation ist für sie im besten Sinne Manipulation. Ein schlechtes Gewissen haben sie nur selten oder nie.

Komplimente sind schwer abzuwehrende Angriffe
Sie wissen auch um die Macht von Komplimenten. Sie lenken uns ab, indem sie über uns und unsere Fähigkeiten oder Besitztümer schwelgen. Ein Kompliment ist wie ein Schlüsselreiz. Ohne Prüfung nehmen wir es so gerne auf. Und wenn es dann mit einer Aufforderung oder einem Kaufanreiz verbunden wird, ist die Falle vielleicht schon erfolgreich gewesen.

Eine beliebte Falle ist auch das Setzen von sogenannten Rahmen (Framing). Natürlich erscheint ein Angebot günstig, wenn es vorher das Dreifache kostete. Jedes besonders günstige Sonderangebot ist Teil dieses Framings. Oft sind es nur Mondpreise, die den Rahmen lediglich besonders ausschmücken sollen.

Und sie verkaufen dir oft nur ein Gefühl oder ein Produkt, das sehr emotional aufgeladen ist. Für dieses Extra an Gefühl zahlen wir natürlich drauf. Und das wissen die Manipulateure. Denn wir würden uns unwohl fühlen, wenn wir dieses Gefühl nicht kaufen würden. Von der Zigarettenindustrie bis zur Heiratsschwindlerin, funktioniert dieses Prinzip ständig. Werbung ist Gefühl. Nur zum kleinen Teil Information.

Erst Geben, dann viel nehmen?
Auch wissen sie um das Prinzip der Reziprozität. Menschen möchten sich selbst treu bleiben und nicht nur nehmen, sondern auch geben. Und so bekommen Kellner selbstverständlich ein größeres Trinkgeld, wenn sie nett sind und am Ende noch einen kostenlosen Aperitif zum Tisch bringen. Aber auch an der Bar in der Disko funktioniert dieses Prinzip seit langer Zeit. Ein Getränk, ein Lächeln und ein aufrichtiges Kompliment und so mancher Junggeselle musste nicht allein nach Hause gehen.

Die Psychologie der Masse
Echte Profis arbeiten mit der Menge. Selbstverständlich wirkt es vertrauensvoller, wenn vor uns bereits andere das Angebot angenommen haben. Diese Tatsache gibt uns Sicherheit bei der Entscheidung. Man denke nur an die Bewertungen in Online-Shops. Oder an den tollen Typen, der auch bei unseren Freundinnen gut ankommt.
Und da es den tollen Typen nur einmal gibt, sind wir auch schon beim nächsten Prinzip: der Knappheit. Wo es jemanden oder etwas nur selten gibt, steigt die Nachfrage und der Preis. Ob das seltene Angebot ein wirklich gutes war, zeigt sich in der Eile der Entscheidung oft erst später.
Sie kombinieren dieses Prinzip der Knappheit auch gerne mit einem Überraschungseffekt. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit zu einem eher unwichtigen Nebenschauplatz, der jedes Nachdenken fast unmöglich macht. Denn wir müssen ja schnell entscheiden. So ist das Produkt, das nur noch einmal im Lager ist, gerade heute zusammen mit einem Bonus-Geschenk zu haben. Das wir vielleicht beides nicht benötigen, ist dann schon fast egal.

Wer einmal lügt, dem glaub man … trotzdem!
Doch die absoluten Profis sind die, die trotz Aufdeckung trotzdem in positiven Kontakt mit ihren Opfern bleiben. Sie rechtfertigen ihren Fehler, indem sie die positiven Seiten des Betrugs oder des Betrügers in den Vordergrund stellen. Die betrogene Frau sieht den tollen Körper ihres Mannes oder sein Bankkonto und verzeiht ihm.
Die Urlauber finden zwar nicht den versprochenen Traumstrand, trinken sich aber den Urlaub an der gemütlichen geschmückten Bar schön.

Die Meister der Überzeugung sind Einzelpersonen aber auch Konzerne. Sie analysieren uns und versuchen uns zu durchschauen. Dies gelingt ihnen mit kalter Emphatie und Erfahrung. Ihre Werkzeuge sind in diesem Text aufgeführt. Sie zu erkennen gelingt den wenigsten. Die meisten möchten es auch gar nicht durchschauen, denn das Leben besteht halt aus Verführung und Manipulation. Jeder ist Täter und Opfer. Der eine mehr, der andere weniger. Der eine bewusst, der andere unterbewusst.

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