Liebe und (Un-)Lust

Lest dies nicht, wenn ihr den Irrglauben an die Unschuld eurer Schwestern, Freundinnen und Mütter behalten wollt. Passt auf, denn sie wollen mehr probieren, als ihr glaubt. Sie wollen nicht nur den Apfel… sie wollen von fast jeder verbotenen Frucht kosten.

Lust der Männer versus Lust der Frau
Die männliche Sexualität ist eine animalische, so heißt es oft. Sie wird kontrolliert, gezähmt und verborgen. Und doch bricht sie immer wieder hervor. Männer gehen fremd, konsumieren Pornographie oder haben sogar Probleme, den (gesetzlichen) Anstand zu wahren.
Sind Frauen anders? Ist Ihre Sexualität völlig davon abweichend? Oder ist die weibliche Sexualität vielleicht sogar noch wilder, tierischer, als die männliche?

Meredith Chivers hat die Erregung von Frauen erforscht. Die Probandinnen sahen sich Pornos bzw. Filme von Einzelpersonen und Paaren (gleich- und verschiedengeschlechtlich) an. Sogar Aufnahmen von Affen wurden gezeigt. Dann maß sie die Erregung der Frauen. Ergebnis: ob hetero oder lesbisch. Alle Frauen waren von den unterschiedlichen Aufnahmen ähnlich stark erregt worden. Sogar von den Aufnahmen der Bonobo-Affen.
Dazu befragt, wollte dies kaum eine Frau offen zugeben. Wahrscheinlich, weil die Gesellschaft die Frau und ihre Sexualität in Verbundenheit mit dem Gefühl der Liebe und der Geborgenheit einer festen Beziehung sieht. Eine leicht zu erregende junge Dame, die beim Anblick von Affen feucht wird, passt da nicht ins gesellschaftliche Bild.

Wie ist die sexuelle Realität?
Wer in einer sehr offenen Gesellschaft oder Szene lebt, beispielsweise in Berlin, kennt die andere, offene Seite der weiblichen Sexualität. Sie nimmt sich gerne, was sie braucht und denkt dabei nicht zwangsweise an emotionale Nähe und liebevolle Gefühle.

Und man denke an die stetig wachsende Sex-Toy-Industrie, die ohne die weibliche Sexualität eine weit geringere Bedeutung bekommen hätte. Männer konsumieren Pornos, Frauen konsumieren lediglich Dildos und Vibratoren. Auch nicht ganz richtig! Der Pornokonsum der Frauen dürfte dem der Männer erstaunlich nahe kommen. Und es sind sicherlich nicht die zärtlichen „Liebesfilme“, die die Frauen zumeist anregen. Gerade die harten Darstellungen, bei denen Frau eher als Objekt erscheint, reizt ebenso einen großen Anteil der Damenwelt. Und in heimischen Gemächern, ohne die Kontrolle der Gesellschaft, hat Frau alle Freiheit, ihre Lust zumindest virtuell auszuleben. Immer mehr tun dies freilich auch in der Realität. Exklusive Sexpartys werden für jeden Geschmack angeboten. Und gerade die eher kritisch betrachten Gangbang-Partys oder BDSM-Events erfreuen sich auch unter den Frauen großer Beliebtheit.
Dies sind freilich Beobachtungen aus der Szene und keine wissenschaftlichen Gewissheiten.

Nur Männer schauen Pornos
Chievers untersuchte auch das Ausmaß des weiblichen Verlangens. Wenige Frauen antworten ehrlich bzgl. ihrer empfundenen Lust. Erst als sie an einen Lügendetektor angeschlossen wurden, räumten sie den Pornokonsum, die Häufigkeit der Masturbation und sexueller Kontakte ein. Letztere waren sogar beträchtlich höher, als bei der männlichen Kontrollgruppe.

Ein sexuelles Wesen zu sein, wird Männern noch immer mehr zugestanden als den Frauen. Vielleicht daher die Unehrlichkeit, die erst durch den Lügendetektor aufgedeckt wurde.

Auch fand Chievers heraus, dass die Vorstellung, Sex mit einer fremden Person zu haben, die größte Lust hervorrief. Sex mit bekannten Personen (dem Freund zum Beispiel) zu haben, war für die untersuchten Probandinnen offenbar weit weniger reizvoll.

Und was erregt die Frau in der Regel am stärksten? Laut Chievers ist es der unbekannte, hart-erregte Phallus, der die Lust der Frau in höchste Höhen befördert. Nicht der Gedanke an die Romantik des letzten kuscheligen Abends, mit dem langjährigen Partner.

Liebe und vertrauensvolle Romantik sind daher nur selten der fruchtbare Boden für die animalischen Gelüste, die wir alle ausleben möchten. Vielleicht nimmt die Lust sogar mit der emotionalen Nähe ab. Gerade die Distanz verspricht den großen Kick. Und die größte Distanz besteht halt zwischen zwei sich fremden Menschen.
Und wenn dann noch eine Prise Gewalt und Verbotenes dazu kommt, ist die heimliche Phantasie perfekt, um die größte Befriedigung zu erleben.
Möchten Frauen erobert werden, auch mit Gewalt? Möchten sie männliche Dominanz spüren? Möchten sie Objekt einer männlichen Sexualität sein? Nicht immer. Aber einige Frauen werden die Fragen, zumindest in manchen Situationen, bejahen.

Was ist die Realität in Beziehungen?
Doch das große Dilemma stellt sich allzu oft zwischen zwei Menschen in langjähriger Beziehung ein. In dem Maße, in dem Nähe und Zuneigung zunehmen, verflacht die körperliche Anziehungskraft.
Und dann schließt sich der Kreis. Mit dem Verlust der körperlichen Anziehungskraft verliert sich auch sehr oft die Liebe.

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